Nebelturm

Ich sitze hoch oben im Nebelturm.

Der Wind peitscht an den klappernden Fensterläden während ich den letzten Schluck  meinen Körper herabstürze.

Der Nebelturm liegt verlassen am Rande der Stadt, nur ich bin noch sein letzter Bewohner, halte einsam die Stellung.

Auf einmal klopft es, genau dreimal, sehr bestimmt.

Ich raffe mich auf, schlurfe zum Öffner, drücke ihn und höre hallend die Schritte zu mir emporkommen.

Ich zähle. nach den altbekannten 476 Stufen steht sie vor mir. Sie fragt ob ich nicht mit ihr kommen will. Mit ihr in die Bar unten in der Stadt. Eine schöne Vorstellung, nur weiß ich, dass sie nicht in Erfüllung gehen wird. Dafür habe ich noch viel zu viel Arbeit zu erledigen, bevor ich meinen Turm verlasse. Sie blickt über die Stadt und fragt mich wie meine letzten Wochen verlaufen sind. Ich habe keine Antwort darauf, nicht das ich sie jemals gehabt hätte, aber nun weiß ich nicht mal wie die letzten Tage verlaufen sind. Sie schiebt mir einen Umschlag herüber, dabei treffen sich unsere Blicke einen kurzen, verschämten Augenblick, doch ich schweife sofort weiter. Ich werde den Umschlag, so wie jedes Mal öffnen und mit Erstaunen feststellen wie kalt mich sein Inhalt lässt. Sie geht. Ich kann sie nicht davon abhalten, wie auch?

Ich zähle wieder. 476 Schritte und ein leises hallendes knarzen der Tür später, bin ich wieder allein in meinem Nebelturm.

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