
Wilde Assoziationen
- Nebelturm
Ich sitze hoch oben im Nebelturm.
Der Wind peitscht an den klappernden Fensterläden während ich den letzten Schluck meinen Körper herabstürze.
Der Nebelturm liegt verlassen am Rande der Stadt, nur ich bin noch sein letzter Bewohner, halte einsam die Stellung.
Auf einmal klopft es, genau dreimal, sehr bestimmt.
Ich raffe mich auf, schlurfe zum Öffner, drücke ihn und höre hallend die Schritte zu mir emporkommen.
Ich zähle. nach den altbekannten 476 Stufen steht sie vor mir. Sie fragt ob ich nicht mit ihr kommen will. Mit ihr in die Bar unten in der Stadt. Eine schöne Vorstellung, nur weiß ich, dass sie nicht in Erfüllung gehen wird. Dafür habe ich noch viel zu viel Arbeit zu erledigen, bevor ich meinen Turm verlasse. Sie blickt über die Stadt und fragt mich wie meine letzten Wochen verlaufen sind. Ich habe keine Antwort darauf, nicht das ich sie jemals gehabt hätte, aber nun weiß ich nicht mal wie die letzten Tage verlaufen sind. Sie schiebt mir einen Umschlag herüber, dabei treffen sich unsere Blicke einen kurzen, verschämten Augenblick, doch ich schweife sofort weiter. Ich werde den Umschlag, so wie jedes Mal öffnen und mit Erstaunen feststellen wie kalt mich sein Inhalt lässt. Sie geht. Ich kann sie nicht davon abhalten, wie auch?
Ich zähle wieder. 476 Schritte und ein leises hallendes knarzen der Tür später, bin ich wieder allein in meinem Nebelturm.
- Nicht mehr nur sitzen
Er geht auf die Straße. Es riecht nach Marzipan und er freut sich auf die Menschen.
Er geht um zwei Ecken, seine Augen wissen wo sie den Getränkemarkt finden, sie schauen ihm zu, wie er sich eine Zigarette dreht. Im Laden kauft er sich sein Lieblingsbier, seine Hände wissen wo sie hin greifen müssen. Er schlägt den Weg zum Park ein, seine Füße laufen ohne dass er darüber nachdenken müsste. Er stößt den Rauch zielgerichtet nach vorne aus.
Sein Bier trinkt er an seiner Lieblingsecke, wartet auf sie. Doch sie kommt nicht, er weiß das, doch andere Optionen hat er nicht. So hört er weiter seine Lieblingsplaylist, er weiß sie wird nie zu Ende gehen.
Er wartet noch zwei Stunden.
In seinem Kopf packt er Geschirr aus Umzugskartons aus, manches zerbrochen, der Rest nicht abgewaschen. Doch das stört ihn gerade, in seinem Kopf, nicht. Nach dem Auspacken geht er raus, kauft sich in seinem Laden sein Lieblingsbier, trinkt es an seiner Lieblingsecke und wartet auf sie. Er möchte nicht nach Hause, doch wo ist der Sinn am Sitzen, wenn sie nicht da ist? Wo ist der Sinn darin seine Playlist zu hören, wenn sie sie nicht hört?
Nach langem hadern schlägt er nun doch den viel zu oft gegangenen Weg zu seinem Bett ein. Er fühlt sich gut dabei, aber dennoch weiß er, dass es so nicht weitergehen kann. So geht ein weiterer Tag vorüber, einen Plan hat er noch immer nicht.
- Eskapismus Eskapaden

Eine unterschätzte Eigenschaft ist die Ablenkung. Wer sich Ablenken kann, kann alles was eigentlich „wichtig“ ist vergessen. Wer sich nicht Ablenken kann, ist nonstop, 24/7, permanent, rund um die Uhr, unaufhörlich mit sich beschäftigt. Wer durchgehend mit sich selber beschäftigt ist, wird krank.
Ja, sehr verkürzt, trotzdem: Wer eskapieren (eigentlich wollte ich hier einen Wortwitz mit „es kapieren“ einbauen) kann, kann sich komplett loslösen von seinem Ich, sich in eine andere Welt versetzten lassen und alles eigentliche vergessen. Klar, man löst in der Zeit seine Probleme nicht, man läuft auf dem billigsten Wege nur weg. Aber vielleicht gibt es sowas wie Lösungen gar nicht, hinter gefundenen Lösungen, verstecken sich vielleicht immer nur neue Probleme? Vielleicht ist dieses ganze Geschwurbel von „sein Leben in den Griff kriegen“ nur eine Idee von Spiessern, oder andersherum, wer sich mit seinem Loch abfindet, wird glücklich.
Anyways, für mich eh alles keine Option. Eskapismus funktioniert bei mir nicht. Warum auch immer, aber ich beziehe jeden Charakter jedes Mediums direkt auf mich und glaube mich zumindest zu 75% in ihm wieder zu sehen. Das heißt, ich lese ein Buch, tauche aber gar nicht tief in die Handlung ein. Ich tauche, aber nicht in die Phantasiewelt des Buchs, sondern in meine eigene, in der ich jeden Satz des Buches auf mich projiziere und abgleiche inwiefern ich mich identifizieren kann. Oft vergesse ich Stellenweise den eigentlichen Rahmen der Handlung, es geht dann nur noch um jeden einzelnen Satz, den ich lese als würde darin große Weisheit und Wahrheit liegen.
Eskapismus, das ist Schlafen. Ich träume nicht, keine Gedanken, kein gar nichts. Dahin zu kommen ist Aufgabe jeden Tages und morgens aufzustehen ist schlechter als weiter zu schlafen. Naja zumindest an manchen Tagen. Eine unterschätzte Eigenschaft: die Flucht genießen zu können.
- Auf Arbeit schreiben

Verehrte drei Leserinnen und Bots und Leser! Hiermit stelle ich euch feierlich mein neues, ausgeklügeltes Format vor: Wenn ich auf Arbeit bin und die Langeweile mal wieder versucht mich in die Kanalisation zu zerren, schreibe ich hier einen geistreichen Text.
Nach Analysen meiner Marketingabteilung hat sich ergeben, dass das genau das ist, was 5.893.213.982 von den, auf der Welt lebenden 7.854.322.459 Menschen, haben wollen.
Deshalb gebe ich dem Volk was das Volk halt will.
Zu behaupten auf Arbeit wäre grad nichts los, wäre übertrieben. Ich bin allein. Das hört sich allerdings depremierender an als es eigentlich ist. So kann ich wenigstens wirklich nichts tun, anstatt die ganze Zeit damit beschäftigt zu sein beschäftigt auszusehen. Ich könnte jetzt eine lange Liste mit den Vorteilen des Alleineseins anfertigen, aber dann würde mir warscheinlich auffallen, dass das garnichtmal so gut ist. Deshalb nur noch ein Punkt: Ich kann so laut Musik hören, wie ich will. Das wäre gerade „El Niño Considers His Failures“ und mit dem Song hätte ich dann auch den perfekten Soundtrack zu diesem Tag gefunden.
„Jeder Mensch darf so laut Musik hören wie er will und niemand darf ihn daran hindern.“ – wäre warscheinlich der zweite Paragraph, wenn ich irgendwann meinen eigenen Staat gründe. Der erste Paragraph benötigt noch etwas Feinschliff, ist ja schließlich ein wichtiges Thema, es hängen ja Menschenleben undso davon ab. Stressig, fällt mir gerade auf. Vielleicht belasse ich die Verfassung auch nur beim zweiten Paragraphen, den Rest kann man ja freestylen. Mir fällt auch gerade auf, dass, wenn der BND oder irgendsoein anderer Drecksverein mitliest, die das bestimmt besorgniserregend finden, so Reichsbürger mäßig. Also falls jemand von euch das liest: Danke für euer Interesse!
Nach diesem kurzen Jura-Exkurs, jetzt wieder back on track. Ich sitze also in meinem Bürostuhl. Sieht warscheinlich genauso unsexy aus, wie sich es anhört. Schon das Wort Bürostuhl löst in mir plastische Vorstellungen von hellblau und grau gestreiften Krawatten und Brotdosen und Graubrot mit Salami aus. Wie kann man bitte zwei Stunden am Stück in einem Bürostuhl fristen? Keine Ahnung, aber es geht und das mach Angst. Wieso nicht einfach das so annehmen und sich einleben, gibt doch so viele ungemütlichere Orte als Bürostühle. Andererseits gibts auch viel gemütlichere Orte, zum Beispiel eine Wiese. Eine sonnendurchflutete Wiese, und ein Buch. Und ein Bier und auf keinen Fall Schuhe und Socken an den Füßen.
Aber ich schweife schon wieder ab, zurück zur tristen Realität: ich habe gerade ganze fünf Ordner auf meinem Schreibtisch. Fünf Ordner, das ist keine Anzahl, die ich jemals für möglich gehalten hätte, und es wirkt immernoch surreal. Ich meine was machen die da? Einfach rumliegen und voll sein. Ein Zustand um den ich sie gerade beneide.
- Besuch aus der Heimat
Besuch aus der Heimat ist etwas komisches. Oder auch nicht, irgendwie so ein Zwischending. Es hat etwas vertrautes und gleichzeitig das Gefühl nicht mehr Teil von dem zu sein was mal war.
Es macht traurig, weil man merkt, dass sich die Welt auch ohne einen weiterdreht, aber auch glücklich, weil man merkt, dass es Menschen gibt die einen wirklich kennen.
Man möchte jeden Aspekt seines neuen Lebens zeigen und hängt trotzdem noch an seinem alten Ich. Man bekommt alle alten Wunden aufgezeigt und zum gleichen Zeitpunkt seine neu errungenen Stärken. Eine neue Perspektive baut sich auf, während sich die alte in Luft auflöst.
Hattest du schonmal Besuch aus der Heimat? Wenn ja, weißt du sicher, dass du ein neues Leben angefangen hast, losgelöst von allem was vorher einmal als sicher galt. Dann kannst du mit Sicherheit sagen, dass du dich weiterentwickelst. Und habe keine Angst , alles ist besser als der zermürbende Stillstand.
- Portemonnaie und Kater
Was gibt es schöneres als sein Portemonnaie zu verlieren oder einen Kater auf der Arbeit zu haben? Nichts? Und was wenn beides auf ein und den selben Tag fällt?
Sein Portemonnaie zu verlieren ist nah dran das uncoolste zu sein was einem widerfahren kann. Sowohl aus praktischer als auch aus ästhetischer Sicht. Die meisten Situationen in die man geschmissen wird, kann man wenigstens im Nachhinein so umdeuten, dass man noch etwas gelernt hat, eine weitere Erfahrung in seine Sammlung aufnehmen konnte. Die einzige Lehre, die man aus einem verlorenen Geldbeutel ziehen kann, ist, nicht mehr so verdammt verpeilt zu sein.
Also stellen wir uns einen Tag vor, an dem man mit einem Gefühl aufwacht, welches ein heißlaufender Akku durchgehend verspüren muss, um dann als erste Amtshandlung am Tag gepflegt sein Portemonnaie irgendeiner gierigen Sitzritze im Bus zu übergeben.
Man schleppt sich zur Arbeit, wird als allererstes einem kompletten Filmteam vorgestellt. Und während man gegen den Drang zu Reihern ankämpft wird einem mal wieder klar, dass man dringend Small Talk Unterricht nehmen sollte. Das Gestammel kann sich ja keiner anhören.
Danach besteht der Tag daraus abzuwarten, bis er wieder zu Ende ist.
„Heute gefällst du mir überhaupt nicht.“
hast Recht, ich mir auch nicht.Es gibt Tage an denen das einzig gute das Wissen darum ist, dass sie vergänglich sind. So ein Tag war heute und man ist froh, dass morgen ein Anderer aufwacht als heute. Die Hoffnung, das man es schafft, in Zukunft nicht nur solche Tage zu haben, scheint dehalb nicht unbegründet zu sein. Also geht es erstmal weiter, wenn der Kater abklingt sieht man bestimmt schon klarer.
- Rohrreiniger
Kein Kunsttitel, ich beschäftige mich jetzt mit Rohrreinigern.
Rohrreiniger, ich habe nicht mal eine Vorstellung was genau das ist. Könnte so ein Wattestäbchen für Rohre sein. Da stelle ich mir direkt so ein Rohr vor, welches seit Jahren nicht gereinigt wurde und nun mit einem monströsen Wattestäbchen generalüberholt werden soll. Was da wohl am Ende des Rohres rauskommt, wenn man das Stäbchen, oder vielleicht mehr das Stämmchen rauszieht. Was dabei rauskommt stelle ich mir vor wie lange, nasse, schwarze Haare, welche abwechselnd nach verwesendem Fisch und in der Sonne stehendem Hausmüll stinken. Schöne Vorstellung oder?
Anyways Rohrreiniger könnte andererseits auch eine Chemikalie sein, die auf wundersame Weise Widerstände im Rohr einfach auflöst. So eine von der übelsten Sorte, wenn man an dieser Plastikflasche mit Sicherheitsverschluss schnüffelt hat man einerseits das Gefühl in eine andere Welt, in der es vor warmen, einen umschließenden Decken nur so wimmelt, katapultiert zu werden. Andererseits fühlt man schon die Nasenschleimhäute bemerkenswert schnell dahinschmelzen. Auch keine viel schönere Vorstellung…
Ansonsten könnte „Rohrreiniger“ auch einfach den Beruf beschreiben. Da stelle ich mir notfalls einfach eine Kreuzung zwischen einem Elektriker und einem Straßenbauarbeiter vor. Die Assoziationen lass ich diesmal einfach bleiben.
Ist auch egal, jetzt wird gegoogelt was sich hinter diesem höchst spannenden Wort „Rohrreiniger“ denn wirklich versteckt:
Wow, okay also ein Rohrreiniger ist alles womit man ein fucking Rohr frei von allem möglichen kriegt. Wie enttäuschend, ich dachte die Definition wäre um einiges enger geschnürt. Im Handwerksbereich begegnen einem nicht oft Dinge die nicht einen klaren Gegenstand beschreiben: Fuchsschwanz, Katzenzungenkelle, Gehörschutzstöpsel. Das ist es glaub ich, was mich so abschreckt vor dem Handwerk: Überall gibts Probleme und genau das richtige Werkzeug für jedes einzelne. Deswegen sind Handwerker vielleicht auch so drauf, wie ich sie bisher immer wahrgenommen habe: So abgeklärt mit der Welt und so unbesorgt in der Lösung von Problemen. Aber ist ja auch klar in deren Welt gibt es kein Problem was nicht auch gelöst werden kann, denn für alles gibt es ja fachgerechtes Werkzeug.
Aber ich schweife ab, zurück zu Google. Beziehungsweise Wikipedia. Die machen sich gar keine Mühe irgendetwas an den Erzfeinden eines herkömmlichen Rohrreinigers zu beschönigen:
„Das können erkaltete Fette und Speisereste im Küchenabfluss oder mit Haaren verklebtes Hautfett in der Dusche sein.“
Cool, dann wär das ja auch geklärt, weiter zu Amazon. Da heißt der bestbewerteste Rohreiniger Drano (Mr Muscle) und kommt in brachial leuchtend orangenem Plastikbehälter daher. Der Spaß kostet auch nur 2,75€ den Liter. Irgendwie hab ich mir das ganze anders vorgestellt. Ich dachte Rohrreiniger wären potente Chemikalien, quasi die Elite des Haushalts. Aber für 2,75€ und kostenfreiem Versand auch noch? Da ist ja Oetti günstiger (ob gesünder ist eine andere Frage).
Um meinem Bildungsauftrag gerecht zu werden, hier noch die Warnhinweise, auch wenns dich nicht interessiert:
- Achtung! Nicht zusammen mit anderen Produkten verwenden, da gefährliche Gase (Chlor) freigesetzt werden können.
- Kann gegenüber Metallen korrosiv sein.
- Sehr giftig für Wasserorganismen mit langfristiger Wirkung.
- Sehr giftig für Wasserorganismen.
- Verursacht schwere Verätzungen der Haut und schwere Augenschäden.
Dazu gibts auch noch zwei coole Bildchen:

Die Amazonbewertungen des Rohrreinigers lassen mich mal wieder an der Menschheit zweifeln, deshalb weiter und bei Reddit das Wort, was ich hoffentlich nie wieder so oft wiederholen muss, eingeben und gucken was dabei rumkommt:

Damit ist meine Reise zu den Rohrreinigern hoffentlich für immer beendet, ich hoffe ich Träume nicht von dem Scheiß.
- Gedanken zu mir

Ja, alles sehr egoistisch.
Egal, das ist meine Seite und ich werd mich nur mit mir beschäftigen, um besser, größer zu werden und mich zu verstehen.
Vor etwa zwei Wochen habe ich angefangen bei Reddit r/NPD (nicht die „Partei“,sondern narcissistic personality disorder) zu durchstöbern. Ja, die gute, alte Selbstdiagnose ist immer eine gute Idee. Aber was solls: Ich sehe mich in vielen Posts wieder. Das ist das süchtigmachende bei Reddit: Man fühlt sich verstanden. Besser als ich mich bisher von meinem Umfeld verstanden gefühlt habe. Ich habe Probleme wirklich Menschen zu vertrauen und mich ihnen komplett zu öffnen, ich glaube ich habe keinen Menschen dem ich wirklich erklären kann wie es ist ich zu sein.
Heute habe ich einen Post gelesen über die Spannung zwischen dem, was man denkt zu fühlen und dem was man wirklich fühlt. Es geht um grundlegende Gedanken, wer ist man und was man vorgibt darzustellen. Bisher habe ich noch nie jemanden getroffen mit dem ich wirklich darüber reden konnte, ich stieß immer auf wohlwollende Allgemeinplätze wie: „Unsere Persönlichkeit ist halt nicht immer homogen, wir verändern uns und das ist nicht schlimm“. Diese Aussagen finde ich zutiefst unsettling. Ich muss wissen was ich fühle, ich muss wissen wer ich bin um mein Leben und nicht das eines anderen zu Leben.
Who are you when you are alone? Do you have a personality you only show to yourself?
Ich pendle stark zwischen verschiedenen Polen, meine Einstellungen zu Themen können durch die kleinsten Aussagen von Personen, die meinen Respekt haben, beeinflusst werden. Aber nicht nur Personen können grundlegendste Standpunkte von mir verändern, ich beeinflusse mich selber ständig. Ich glaube meine Gedanken und meine Gefühle jagen sich durchgehend gegenseitig und kämpfen um die Vorherrschaft über den jeweils anderen. Habe ich mal ein Gefühl, wie z.B. verliebt sein, schalten sich meine Gedanken dazwischen, verhindern, dass ich dieses Gefühl ausleben, genießen und weiter verfolgen kann. Ich weiß noch nicht was diese Gedanken beinhalten, habe aber eine Ahnung. Ich denke sie haben etwas mit meinem Selbstwertgefühl zu tun, sagen mir ich sei nicht der, der ich vorgebe zu sein. Bisher hat diese Gemengelage tiefere Beziehungen zu Menschen schwierig gemacht, ich fühle mich oft nicht verstanden. Dieser Blog soll mir auch dabei helfen mich besser anderen mitzuteilen, indem ich meine Gedanken schon einmal ausformuliert habe und nicht jedes mal von neu anfangen muss, da ich einfach keine Wort für meine Gefühle finde.
Dabei ist es mir auch egal inwiefern diese Zeilen der Realität entsprechen, sie sind das, was mir zu diesem Zeitpunkt auf dem Herzen liegt.
- Ein Gedankenschnipsel

Ich frage mich, was ich am besten mit meiner Zeit mache…
Also ich bin in HH… soweit so gut, ich hätte mir vor einem Jahr nichtmal vorstellen können ausgezogen zu sein. Das hab ich also jetzt geschafft (wie ist mir allerdings immernoch ein Rätsel).
Aber wie soll ich jetzt zufrieden sein? Ich hab doch noch größeres vor und merke, dass ich mir selbst im Weg stehe. Ich möchte lernen besser mit meiner Umwelt, Mitmenschen und mir selbst zu interagieren. Besser klarzukommen, endlich selbstbestimt zu sein, Aktionen zu starten.
Der erste Schritt ist gemacht, jetzt muss ich aber weiter, muss endlich meinen Kopf frei kriegen und anfangen. Dabei kann ich garnicht genau sagen was ich mit „anfangen“ meine, es ist mehr ein Gefühl als ein Plan. Es gab schon Episoden in meinem Leben in denen ich vielleicht nicht glücklich war, aber in denen ich das Gefühl hatte mich weiterzuentwickeln, mein Schicksal in die eigene Hand zu nehmen. Dieses Gefühl brauche ich.
Ich glaube mittlerweile verstanden zu haben dass alles an mir hängt, guter Ausgang oder schlechter Ausgang meines Lebens. Jedoch ist es das eine etwas zu verstehen, das Problem ist es die Konsequenzen aus dem Verständnis zu ziehen.
- „Wilde Schafsjagd“ von Haruki Murakami
Meine Liebe zu Büchern ist im letzten halben Jahr wieder aufgeflammt, seitdem habe ich so viel wie noch nie gelesen. „Wilde Schafsjagd“ wurde mir von einem Mädchen empfohlen auf dessen Geschmack ich jederzeit schwören und alle drei Hände ins Feuer halten würde.

Der Einsieg gestaltete sich für mich etwas holprig, aber es dauerte nicht lange und ich verliebte mich in Murakamis Stil. Seine Erzählweise hat etwas so alltägliches und zuweilen banales, dass man sie eigentlich langweilig finden müsste. Allerdings schafft er es mit eigensinnigem Humor, einer ausgefallenen Wortwahl und Vergleichen diesem alltäglichen Anstrich in mir eine enorme Sehnsucht nach seiner aufgebauten Welt zu entfachen.
Dabei scheint die eigentliche Handlung vollkommen in den Hintergrund zu rücken, auch wenn ihre Prämisse sehr klar in der Ferne schimmert: Das Schaf mit dem Stern auf dem Rücken will gefunden werden. Dennoch kam es beim Lesen gar nicht auf diese Prämisse an. Was ich an dem Buch bemerkenswert finde, war die fluffige Leichtigkeit mit der Murakami es schafft mit eine Welt zu präsentieren in der ich das Gefühl habe vollkommen in der Gegenwart zu sein, völlig in zwischen den Details seiner Erzählung versunken zu sein.