Eskapismus Eskapaden

Eine unterschätzte Eigenschaft ist die Ablenkung. Wer sich Ablenken kann, kann alles was eigentlich „wichtig“ ist vergessen. Wer sich nicht Ablenken kann, ist nonstop, 24/7, permanent, rund um die Uhr, unaufhörlich mit sich beschäftigt. Wer durchgehend mit sich selber beschäftigt ist, wird krank.

Ja, sehr verkürzt, trotzdem: Wer eskapieren (eigentlich wollte ich hier einen Wortwitz mit „es kapieren“ einbauen) kann, kann sich komplett loslösen von seinem Ich, sich in eine andere Welt versetzten lassen und alles eigentliche vergessen. Klar, man löst in der Zeit seine Probleme nicht, man läuft auf dem billigsten Wege nur weg. Aber vielleicht gibt es sowas wie Lösungen gar nicht, hinter gefundenen Lösungen, verstecken sich vielleicht immer nur neue Probleme? Vielleicht ist dieses ganze Geschwurbel von „sein Leben in den Griff kriegen“ nur eine Idee von Spiessern, oder andersherum, wer sich mit seinem Loch abfindet, wird glücklich.

Anyways, für mich eh alles keine Option. Eskapismus funktioniert bei mir nicht. Warum auch immer, aber ich beziehe jeden Charakter jedes Mediums direkt auf mich und glaube mich zumindest zu 75% in ihm wieder zu sehen. Das heißt, ich lese ein Buch, tauche aber gar nicht tief in die Handlung ein. Ich tauche, aber nicht in die Phantasiewelt des Buchs, sondern in meine eigene, in der ich jeden Satz des Buches auf mich projiziere und abgleiche inwiefern ich mich identifizieren kann. Oft vergesse ich Stellenweise den eigentlichen Rahmen der Handlung, es geht dann nur noch um jeden einzelnen Satz, den ich lese als würde darin große Weisheit und Wahrheit liegen.

Eskapismus, das ist Schlafen. Ich träume nicht, keine Gedanken, kein gar nichts. Dahin zu kommen ist Aufgabe jeden Tages und morgens aufzustehen ist schlechter als weiter zu schlafen. Naja zumindest an manchen Tagen. Eine unterschätzte Eigenschaft: die Flucht genießen zu können.

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