Auf Arbeit schreiben

Verehrte drei Leserinnen und Bots und Leser! Hiermit stelle ich euch feierlich mein neues, ausgeklügeltes Format vor: Wenn ich auf Arbeit bin und die Langeweile mal wieder versucht mich in die Kanalisation zu zerren, schreibe ich hier einen geistreichen Text.

Nach Analysen meiner Marketingabteilung hat sich ergeben, dass das genau das ist, was 5.893.213.982 von den, auf der Welt lebenden 7.854.322.459 Menschen, haben wollen.

Deshalb gebe ich dem Volk was das Volk halt will.

Zu behaupten auf Arbeit wäre grad nichts los, wäre übertrieben. Ich bin allein. Das hört sich allerdings depremierender an als es eigentlich ist. So kann ich wenigstens wirklich nichts tun, anstatt die ganze Zeit damit beschäftigt zu sein beschäftigt auszusehen. Ich könnte jetzt eine lange Liste mit den Vorteilen des Alleineseins anfertigen, aber dann würde mir warscheinlich auffallen, dass das garnichtmal so gut ist. Deshalb nur noch ein Punkt: Ich kann so laut Musik hören, wie ich will. Das wäre gerade „El Niño Considers His Failures“ und mit dem Song hätte ich dann auch den perfekten Soundtrack zu diesem Tag gefunden.

„Jeder Mensch darf so laut Musik hören wie er will und niemand darf ihn daran hindern.“ – wäre warscheinlich der zweite Paragraph, wenn ich irgendwann meinen eigenen Staat gründe. Der erste Paragraph benötigt noch etwas Feinschliff, ist ja schließlich ein wichtiges Thema, es hängen ja Menschenleben undso davon ab. Stressig, fällt mir gerade auf. Vielleicht belasse ich die Verfassung auch nur beim zweiten Paragraphen, den Rest kann man ja freestylen. Mir fällt auch gerade auf, dass, wenn der BND oder irgendsoein anderer Drecksverein mitliest, die das bestimmt besorgniserregend finden, so Reichsbürger mäßig. Also falls jemand von euch das liest: Danke für euer Interesse!

Nach diesem kurzen Jura-Exkurs, jetzt wieder back on track. Ich sitze also in meinem Bürostuhl. Sieht warscheinlich genauso unsexy aus, wie sich es anhört. Schon das Wort Bürostuhl löst in mir plastische Vorstellungen von hellblau und grau gestreiften Krawatten und Brotdosen und Graubrot mit Salami aus. Wie kann man bitte zwei Stunden am Stück in einem Bürostuhl fristen? Keine Ahnung, aber es geht und das mach Angst. Wieso nicht einfach das so annehmen und sich einleben, gibt doch so viele ungemütlichere Orte als Bürostühle. Andererseits gibts auch viel gemütlichere Orte, zum Beispiel eine Wiese. Eine sonnendurchflutete Wiese, und ein Buch. Und ein Bier und auf keinen Fall Schuhe und Socken an den Füßen.

Aber ich schweife schon wieder ab, zurück zur tristen Realität: ich habe gerade ganze fünf Ordner auf meinem Schreibtisch. Fünf Ordner, das ist keine Anzahl, die ich jemals für möglich gehalten hätte, und es wirkt immernoch surreal. Ich meine was machen die da? Einfach rumliegen und voll sein. Ein Zustand um den ich sie gerade beneide.


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